Besuch die Ungläubigen mit erläuternden B ...
Gesunde Ernährung ist wichtig; ob Bio, Öko, oder Natura, Mittelmeerkost oder Eskimo-Lebensweise, diese Bezeichnungen und auch viele andere ziehen den modernen Menschen in ihren Bann, dabei macht manch eine Ernährungsumstellung als Nebeneffekt vor allem das Portmonee leichter.
Es würde oft reichen, wenn man über die entsprechenden Texte und bunten Broschürchen den eigenen gut ausgeprägten Sinn für sprachliche Irrealitäten gleiten lassen würde – schon dadurch wird die Auswahl zwischen den vielen Ess-Dich-Gesund-Programmen garantiert plötzlich viel einfacher. Mal angenommen Sie lesen gerade etwas, worin eine bestimmte Küche als besonders gesund dargestellt wird. Ihr erster Selbstaufklärungsversuch, frei nach Immanuel Kant, könnte so aussehen: – Schnell das Internet her. Meinetwegen Wikipedia. Was steht da? Aaa-ja, bei der Mittelmeerküche handele es sich um einen Kochbücher-Konstrukt, der keiner bekannten Mittelmeerküchen-Realität entspreche? Na gut, aber wenn es gesund ist…? – Gesund. Welche Begriffe werden denn verwendet, um das Gesunde zu unterstreichen? Vitamine? Viele Vitamine? Es wimmelt nur so von Vitaminen? Verdächtig. Nix wie recherchieren, wie es denn mit Vitaminen in den einzelnen erwähnten Lebensmitteln bestellt ist. Beispiel: wenn jemand behauptet, Mais würde wertvolle Vitamine enthalten, so kann man die Person ruhig anrufen und ihr zwei Fragen stellen: Pellagra? Vitamin B3? Werden da auch andere Inhaltsstoffe mehrfach erwähnt? Beta-Carotin zum Beispiel? Ist bestimmt gesund, aber nur, wenn man kein Raucher und/oder Trinker ist. Wichtig bei allen Diäten und Ernährungsempfehlungen sind auch: – Fette. Dabei scheint es fast, als würde jede Küche ihre eigene Fettquelle bis zum Tode vor den Gegnern verteidigen wollen. Olivenöl! Butterschmalz! Lebertran! Margarine! Keine Margarine! Margarine leicht! … Verdächtig! Ein Allzweckfett soll man immer verdächtig finden. – Legenden. Genauso verdächtig sollte man die vielen Legenden aus den alten Zeiten finden. Sprüche wie: Es ist allgemein bekannt, dass in alten Zeiten Opernsänger vor ihren Auftritten Knoblauch in großen Mengen verzehrten. Es kann ja sein, dass Knoblauch gut ist. Es ist aber eher wahrscheinlich, dass die armen Opernsänger früher ganz einfach keinen Zugriff auf Ricola hatten… – Krankheiten. Begriffe wie harntreibend, Verdauungsbeschwerden, Herz-Kreislauf- Erkrankungen sind, inflationär gebraucht, auch verdächtig. So wie es ganz bestimmt Krankheiten als zeitlich begrenzte Schlagworte gibt, so reagieren auch die Ernährungsgurus ganz gern darauf und pflegen mit den Resultaten ihre Absätze gesund. – Sonstige liebenswerten Ausdrücke und Sprüche. Nix gegen Schmalz und Zucker, aber je süßer es klingt, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass man von den Ergebnissen einen dicken Hals bekommt. Und dann ist erstmal das böse Erwachen dran. Fazit: Auch als Sünder sollten wir immer darauf achten, von wem wir uns die Erläuterung verpassen lassen.**
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*Besuch-die-Ungläubigen-mit-erläuternden- Broschüren ist der Name eines der Stadtwächter in Ankh-Morpork.
**Es gibt einen Grund für diesen Post und der ist, dass ich vor ein paar Monaten aus Ja-Sage-Gründen die Übersetzung so eines Textes übernommen habe und dann das Bedürfnis hatte, den Folgen wenigstens so entgegen zu wirken. Dieser Post wurde zunächst auf meinem Erstblog veröffentlicht, jetzt auch hier.



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