Unliebsame Überraschungen

Zugegeben, gedacht hätt’ ich’s mir nicht.

Wo steht denn geschrieben, dass es automatisch geschieht, wenn man geheiratet hat und es nicht schafft, mit der Zeit deswegen unglücklich zu werden?

In Frauenmagazinen, ich weiß, aber die les’ ich nett.

Also habe ich zunächst still und leise zugenommen, ohne es wirklich wahrgenommen zu haben. Wie das geht? Nun, mit denne Spiegeln ist bei mir dieselbe Story, wie mit den Frauenzeitschriften: da ist auch immer dasselbe drin und daher meistens uninteressant. Dachte ich.

Bis meine Lieblingshose nicht mehr passte.

Wie aus einer ehemals schlanken Lehrerin eine stattliche übersetzende Ehefrau, eine auffällig unüberschaubare Präsenz wird, die Details dieser Entwicklung habe ich am Anfang schlicht verpennt. Bis ich dann mit der lächerlich kleinen Hose vor dem Spiegel stand und mich fragte, warum es plötzlich so viel mehr von mir gab und wie ich damit leben sollte.

Das ist keine triviale Frage: ich bin nicht besonders gefräßig und brauche kaum Süßigkeiten und vor Kummer läuft mir der Appetit weg und vermehrt sich nicht. Ich bin auch vegetarisch und obwohl ich inzwischen weiß, dass die größten Pflanzen fressenden Saurier und einige der größten noch lebenden Tierarten viel größer als gemeine Fleischfresser waren/sind, so kann ich noch heute keinen direkten Zusammenhang zwischen meiner Nahrungsaufnahme und der Gewichtzunahme erkennen. Dass ich jetzt plötzlich fast jeden Tag zu Mittag esse, statt schnell unterwegs mal was runter zu würgen, daran wird es zwar auch liegen, aber warum soll ich denn wegen völlig normaler Essrituale so viel zunehmen müssen?

Nun gut, jetzt aber zurück zum Trivialen: da muss wieder mal eine Diät her. Am besten, wenn ich mal sturmfreie Bude habe, für eine Woche oder so, dann kann ich nicht rumquengeln, falls ich zu strikt mit mir vorgehen sollte.
Dann könnte ich wieder mal vom Gemüse, Knäckebrot und Tofu leben. Der Witz dabei ist auch schon weggelaufen: das sind tatsächlich, so zu sagen, meine Leibgerichte. Ich mag sie einfach. Ich kann sie schmackhaft zubereiten und sie bekommen mir. Genauso so, wie Bergwanderungen sonntags und Wohnzimmerfitness mittwochs, übrigens.

Komisch. Wie auch immer: Nachdem ich die ganze Garderobe schon ausgetauscht habe, habe ich jetzt keine Lust mehr, nach jeder Wäsche ängstlich zu gucken, ob ich die Hose noch über die Hüften kriege. Ich will auch nicht regelmäßig neue Sachen kaufen müssen, um wenigstens irgendwo rein zu passen. Und weil ich die alten nur schweren Herzens weggebe, wenn sie mir gefallen. Das Leben ist eh schon flüchtig genug, da wird man doch paar fixe Punkte in eigenen Schrank erwarten dürfen.

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